Ein Lebenszeichen

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Gut ein Monat ist seit meinem letzten Bericht vergangen, seitdem sind natürlich viele Dinge passiert. Leider bin ich nach meiner vollständigen Genesung erneut erkrankt, es war die Grippe, die mich zum 2. Mal erwischt hat. Ich bin seit dieser Woche aber wieder vollständig hergestellt!!
Nun zu all den Neuigkeiten, die es zu berichten gibt!

Nummer 1: Endlich, endlich, endlich wurde das Boot erfolgreich repariert und obendrein am 01.02. zu Wasser gelassen!!! Trotz einer 3-monatigen Verspätung befindet sich das Boot nun also in den Händen der Fischer! Die offizielle Übergabe steht noch aus, wird aber bald ;) erfolgen.

Tja und hier die wunderbare Nummer 2! : Im Centre wurde eins der großen Zukunftsziele in Angriff genommen. Denn die Kinder, die seit Anfang an im Centre sind, sind inzwischen junge Erwachsene, in einigen Fällen also wesentlich älter als ich!
In den letzten Jahren haben sie bereits im Centre in verschiedenen Bereichen Verantwortung übernommen und so wirkliche Arbeit erledigt.
So ist der Moment gekommen, eine Arbeit außerhalb des Centres zu finden, um sie unter Berücksichtigung ihrer Behinderung bestmöglich in die burundische Gesellschaft einzugliedern.
Das ist kein leichtes Unterfangen denn es gilt, sie einerseits nicht zu überfordern und sie andererseits in ein für uns selbstverständliches Leben zu entlassen.
Das ist gerade für die Jugendlichen ein großer Schritt, haben sie doch 20 Jahre den Tag im Centre verbracht! Nun ist es aber für 2 junge Frauen geglückt eine Arbeit zu finden! Natürlich handelt es sich dabei nicht um eine Anstellung im herkömmlichen Sinne, eine Behinderung bleibt eine Behinderung. Eine der beiden ist aber weiterhin Dienstag und Donnerstag im Centre, um sich langsam an den neuen Alltag zu gewöhnen. Der Stolz und die Freude, die aus ihren Gesichtern spricht wenn sie von ihrer Arbeit berichten ist Motivation genug, dieses Ziel auch für Andere zu verfolgen – sobald sie bereit sind.
Auch innerhalb des Centres, besser gesagt in der Küche, gab es eine Personalwechsel ;) . Denn die Köchin, die 11 Jahre lang das Essen zubereitete, wurde ebenfalls von einem jungen Mann abgelöst. Er ist ebenfalls im bzw. mit dem Centre groß geworden. Inzwischen ist er verheiratet und erwartet sein erstes Kind. Auch er wurde natürlich an die Arbeit herangeführt und schwingt nun erfolgreich die Kochlöffel während Renata zu ihrer ursprünglichen Arbeit im Garten zurückgekehrt ist.
Eine weitere, tiefgreifende Veränderung bahnt sich an, ich werde davon berichten, wenn es offiziell ist ;)

Nummer 3: Ich habe auf den letzten Drücker mein Visum verlängert. Denn dass die Zeit wie im Flug vergeht wird mir von Tag zu Tag klarer. Das Visum ist dabei aber leicht in Vergessenheit geraten denn gefühlt sind drei Monate noch nicht vergangen. Wie schön, dass ich in Burundi bin. Denn so wurde die Verlängerung dank entsprechender Kontakte innerhalb von 20 Minuten erledigt, morgen wäre mein Visum abgelaufen. Eine endless-story wie bei der letzten Verlängerung hätte ich mir also nicht erlauben können ;).

Nummer 4: Mein Arbeitstag im Centre endet seit Anfang Januar mittags! So profitiere ich wesentlich mehr von meinem Aufenthalt und obendrein sind die Tage sind nicht mehr so überladen wie es noch im Dezember der Fall war.

Tja, dieser Bericht hat letztendlich eher Update-Charakter. Aber gerade das ist ja nach 4 Wochen dringend nötig ;)

Frohes (?) Neues!

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Euch allen ein frohes neues Jahr!
Mein Start in das Jahr 2012 war etwas holperig, ich hoffe, dass sich das nun gegeben hat!
Der Jahreswechsel ging hier ganz heimlich still und leise über die Bühne, wir waren alle nicht ganz auf dem Damm und haben uns so dagegen entschieden, den Jahreswechsel ausgiebig zu feiern. Die Grippe hat sich aber schnell wieder gelegt und so schien zumindest die erste Woche des Jahres ein sehr entspannte zu werden. Denn für einige Tage bin ich bei Lorène geblieben, da sie inzwischen auch Ferien hatte. Irgendwie hat sich das so ergeben. So habe ich meine lieben im Alexestel aber nicht im Vorfeld informiert und so wenige Tage später einen besorgten Anruf erhalten wo ich denn stecke und wie es mir gehe.
Für viele Besucher bei Lorène war es ein überraschendes Bild, mich draußen an den Töpfen oder beim Erbsenpuhlen zu sehen, denn bei Lorène trage ich meistens einen Stoff, der wie ein Handtuch um den Körper drapiert wird. Die Nachbarinnen sind jedenfalls jedes Mal in lautes freudiges Lachen ausgebrochen wenn sie mich sahen.
Zwischendurch kam eine Frau vorbei, die Mais verkaufen wollte. Ganz ungläubig fragte sie Médi, ob ich wirklich eine Muzungu sei. Lachend wurde das bestätigt und sie zog freudestrahlend von dannen. Auf jeden Fall haben wir eine erholsame Zeit verbracht, viel gequatscht, gekocht und ausgiebig gegammelt. Die Akkus waren also für die Arbeit aufgeladen – dachte ich. Dass ich sie schnellstmöglich wieder entladen würde ahnte ich noch nicht.

Am 3.01. ging es allerdings wieder zurück, da am 4.01. die Reparation des Bootes beginnen sollte. Also wollten Isaac und ich pünklich um 8:00 Uhr am Hafen sein. Das hat auch mehr oder weniger geklappt – leider hat derjenige, der für die Reparatur verantwortlich ist, spontan seine Ferien um eine Woche verlängert und war somit nicht zu sprechen. Folglich ging es wieder nicht voran.
So konnte ich den Mittwoch nutzen, um ein paar Mädels bei mir in Nyakabiga zu besuchen, was noch ganz meinem Ferienprogramm entsprach.

Tja, und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wars vorbei mit der Ferienidylle.
Nachts bin ich mit Fieber, Schüttelfrost und Bachschmerzen aufgewacht, den halben Donnerstag habe ich im Bett verbracht da es mir schlichtweg unmöglich war, aufzustehen.
Nachmittags sollte Verdian verabschiedet werden, die mit ihrer Familie auf Heimaturlaub war und nachts wieder nach Mosambik fliegen sollte. Also habe ich mich mehr schlecht als recht aus dem Bett gepuhlt und bin zu Lorène gefahren. Wirklich besser ging es mir aber nicht, also bestanden Médi und Alois darauf, dass ich mich untersuchen lasse. Das kam mir etwas übetrieben vor, da ich mir sicher war, dass es mir mit etwas Ruhe bald wieder besser gehen würde – Widerworte waren allerdings zwecklos.
Freitag ging es also ins Krankenhaus, um herauszufinden, was ich mir eingefangen hatte, obwohl es mir inzwischen schon wider besser ging. Die Untersuchungen, die mir nach einer ordentlichen wartezeit verordnet wurden, hatten allerdings einen so horrenden Preis, dass wir postwendend das Krankenhaus verlassen haben.
Um sicher zu gehen, dass ich mir nicht die Malaria eingehandelt hatte, bestand Médi aber auf die Blutuntersuchung, die wir andernorts machen ließen – 1 ½ Std. später sollten wir die Ergebnisse abholen können.
Nachmittags ging es mir wiederum besser, also konnte ich meine Version: „heftige Grippe ohne Husten“ gut an den Mann bringen. Der Frieden wehrte nicht lange, denn die Ergebnisse der Blutuntersuchung offenbarten, dass ich nicht nur Malaria sondern auch Typhusfieber hatte.
Trotzdem fuhren wir erneut ins Krankenhaus, um Medikamente zu bekommen.
Glücklicherweise war mir die ganze Zeit nie schlecht gewesen, somit wurden mir Tabletten verschrieben und gut wars. Andernfalls hätte ich 3 Tage dort bleiben müssen, um die Mittel per Infusion zu bekommen. Samstag habe ich also begonnen, die Pillen gegen die Malaria zu schlucken, die ich 3 Tage lang nehmen musste und am Montag zum letzten Mal genommen habe. Inzwischen ging es mir eigentlich wieder gut, nun war es das Medikament, das mich aus den Latschen gehauen hat. Also habe ich das Bett selten verlassen, da mir ständig schwindelig und ich sehr schwach war. Inzwischen nehme ich nur noch das Medikament gegen das Typhusfieber und bin frohen Mutes, dass ich am Montag wieder im Centre sein werde.
Ganz auf der Höhe bin ich noch nicht, heute Vormittag war ich mit Medi in der Stadt, da ich dringend zur Bank musste – und war doch recht geschafft, als wir wieder zurück waren. Aber bis Montag bleiben mir ja noch ein paar Tage.

Weihnachten!?

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Dass Weihnachten in Burundi etwas völlig anderes ist als Weihnachten in Deutschland, das war von vornherein klar!
Bereits die Adventszeit war mir nur dank ausführlicher Berichte aus der Heimat nahe. Und trotzdem war das alles etwas unwirklich– von Weihnachtstimmung bei mir also weit und breit keine Spur. Das gestaltet sich bei Sonne und 30° allerdings auch als unlösbare Aufgabe.
Da fällt mir das unheimlich blöde aber nun doch passende Sprüchlein ein: “[...]Und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast du Weihnachten verpennt.”
Nun ja, dieses Jahr sollte es wohl so ähnlich sein.

Der 24.12. ist hier ein Tag wie jeder andere – und doch stand überraschenderweise der alljährliche  Weihnachtseinkauf auf dem Programm! Denn den 25.12. habe ich bei Lorène verbracht. Und da Médi am Samstag nicht auf den Markt konnte sind Lorène, Laundry und ich losgezogen.
Und tatsächlich war der Soko genauso überfüllt, wie es die Supermärkte bei uns sind – es wurde geschubst, gedrängelt und sich auf den Füßen herum getrampelt um als erstes an der Reihe zu sein. Teil 2 des Satzes muss nicht für die heimischen Supermärkte gelten ;)
Später wurde in den Nachrichten gezeigt, dass der Markt erstaunlich leer gewesen sei – wir müssen wohl in der Rushhour dort gewesen sein.
Als der Einkauf wortwörtlich überstanden war, waren jedenfalls auch die Weihnachtsvorbereitungen beendet.
Trotzdem musste das Fest bald ins Haus stehen, denn in der Stadt waren Weihnachtslieder zu hören und geschmückte Plastiktannenbäume zu erstehen. Die Indizien verdichteten sich also zusehends.
Trotzdem kam bis zur letzten Minute keine Weihnachtstimmung auf, denn auch das Wetter ist seit meiner Ankunft so schön wie nie. Denn der viele Regen wurde gerade in den letzten Tagen durch strahlenden Sonnenschein ersetzt.
Freitagabend allerdings hat es so heftig bzw. ausdauernd geregnet, dass es eine Brücke hier in der Stadt zerstört hat. Natürlich wird sie weiter genutzt – nur ist eben das Fundament kaputt bzw. sind die Träger nicht mehr in voller Anzahl im Einsatz.

Am 25.12. war hier der Weihnachtstag, der als einziger Tag Bedeutung hat, sowohl der 24.12. als auch der 26.12. findet keine weitere Beachtung.
Ich habe ich mich gegen 9.00 Uhr auf den Weg zu Lorène gemacht, da ich Médi versprochen hatte, mit ihr zur Kirche zu gehen.
Die Kirche, in die Médi geht, wurde letztes Jahr gebaut und ist somit sehr modern. Das Gebäude erinnert äußerlich nicht daran, dass es sich um eine riesige Kirche handelt – die nun zu Weihnachten hoffnungslos überfüllt war.
Da der Gottesdienst auf Kirundi war habe ich nicht verstanden, was gepredigt wurde – war aber vllt. nicht unbedingt dramatisch. Lorène hat mir zwischendurch immer mal wieder übersetzt, worum es geht, das war schon völlig ausreichend.
Wunderschön war aber, dass es in Médis Kirche 3 Chöre gibt: einen Männer- einen Frauen- und einen Kinderchor. So wurde glücklicherweise viel gesungen, kurz, es war Leben in der Bude. Gerade der Kinder/Jugendchor hat Stimmung verbreitet, da er nicht nur gut sondern auch unheimlich groß war!
Nach guten 2 Stunden gings nach Hause – für die nächste Zeit soll das erstmal der letzte Kirchengang gewesen sein.
Mit dem Gottesdienst war aber auch die Weihnachtsfeierlichkeit beendet.

Kurz: Mein Weihnachten 2011 war kurz und schmerzlos, da war überhaupt keine Zeit, um sich in die Weihnachtsstimmung zu versetzten, die zu Hause herrscht und sich die Weihnachtstage im Kreise der Familie vor Augen zu führen. Aber auch das ist vllt. gut so! ;)

Nach dem Essen sah die weihnachtliche Festfolge jedenfalls einen Ausflug zum Strand und im Anschluss einen Besuch in einer Bar vor, in der Huguette mit ihren Freunden, die ebenfalls am Strand gewesen waren, zu uns stieß.
Der „Weihnachtstag“ (die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt!) klang also trotzdem sehr stimmungsvoll aus! ;)

Und den 26.12., um das Programm zu vervollständigen, habe ich mit ein paar Leuten bei einer Freundin hier in Nyakabiga im Schatten einer Palme verbracht – Zuckerrohknabbernder und die entspannte Zeit genießender Weise ;) Denn trotz meiner Ferien, die am 09.01. enden, bin ich bisher weiterhin erfolgreich von A nach Z gerannt – von Langerweile also keine Spur! Abgesehen von einem Besuch im Krankenhaus, denn ihr Onkel hatte vor 2 Wochen einen Unfall mit einem Taxi-Moto das mit einem Auto kollidierte, habe ich also ebenfalls einen sehr entspannten 2. Weihnachtsfeiertag verbracht, der in keinster Weise an einen solchen erinnerte.

P.S.: Vielen lieben Dank für die Weihnachtsgrüße, die mich immer wieder erwarteten!

Die 20-Jahr Feier

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« En aimant, en respectant, en valorisant ce que je suis, cheminons ensemble comme témoins et catalyseurs de changement pour le bien être et la dignité de la personne ayant un handicap mental.»

Letztendlich habe ich mich zu der folgenden Übersetzung durchgerungen.
Ich nehme aber gerne Verbesserungsvorschläge an!

„In Liebe, Respekt und Aufwertung dessen was ich bin gehen wir gemeinsam als Zeugen und Katalysatoren des Wandels für das Wohlbefinden und die Würde der Person, die eine geistige Behinderung hat“

Unter diesem Motto wurde am 11.12.2011 die 20 Jahr-Feier des Centres zelebriert. Begonnen hat die Feier natürlich mit einem Gottesdienst. Nach dem Gottesdienst haben die Jungs getrommelt und viele fleißige Helfer, d.h. Mitarbeiter und Kinder, das erste Getränk verteilt – bei 800 Anwesenden keine leichte Aufgabe, nicht zu viel Zeit darauf zu verwenden.
Danach wurden natürlich diverse Reden gehalten. Neben einem Eltern-Vertreter und natürlich der Leitern des Centres ergriffen u.a. der belgische Botschafter und ein Regierungsvertreter das Wort. Insgesamt waren es ihre Hauptanliegen, die Arbeit des Centres zu wertschätzen und Hilfe zuzusagen – denn nach wie vor ist die Unterstützung für Häuser wie Akamuri gering.
Agnès, die Leiterin des Centres, hat in ihrer Rede kurz über die Geschichte und die Perspektiven des Centres berichtet und dabei auf die wunderbare Arbeit der Mitarbeiter hingewiesen, die das langjährige bestehen letztendlich möglich gemacht haben.
Dabei hat sie ebenfalls erwähnt, dass dies wiederum ohne die Unterstützung der „Médecins sans vacances“ nicht möglich gewesen wäre, die die Mitarbeiter schon seit mehr als 10 Jahren fort- bzw. ausbilden. Denn hier in Burundi wird die Ausbildung für derartig spezialisiertes Personal noch nicht geboten.
So folgte im Laufe der Feier Beitrag auf Beitrag – zwischendurch wurde ebenfalls Essen und weitere Getränke serviert, getrommelt und getanzt.
Ich glaube letztendlich hätte keiner gedacht, dass die Feier so reibungslos über die Bühne läuft. Wenn man aber die Arbeit, die im Vorfeld investiert wurde sieht, dann war das Fest ein wunderschöner Lohn für alle.

Natürlich standen die Kinder an diesem Tag im Mittelpunkt – und das war den freudigen Gesichtern nur zu gut anzusehen.
Egal ob es das Trommeln der Jungs, der wunderschöne traditionelle Tanz der Mädchen oder einfach nur die Tatsache war, als eins der Kinder im Centre an diesem Tag eine der Hauptpersonen zu sein. Ganz besonders geehrt wurden die älteren Kinder, die im Centre inzwischen Verantwortung übernehmen, denn sie wurden von Agnès in ihrer Rede erwähnt und vorgestellt.
Der Applaus und die Fotos, die gemacht wurden, waren so ein wunderschöner Dank – und Grund genug, unheimlich stolz zu sein. Auf jeden Fall sah man nur strahlende Gesichter, den Kindern war ganz klar, dass ihr Centre ein ganz besonderes Jubiläum feiert.
Das haben auch die Mütter aus Bubanza zum Ausdruck gebracht, die stellvertretend für alle Mütter ein kleines Theaterstück aufgeführt haben, dass den Alltag mit einem behinderten Kind beschreibt. Auf ganz liebevolle Weise haben sie so den Stellenwert, den das Centre für sie hat, mitgeteilt und die große Hilfe deutlich gemacht, die das Centre Akamuri für sie bereit stellt.
Alles in allem war die Feier also wunderschön und hat neues Selbstbewusstsein geweckt– das war folglich auch noch an den Folgetagen zu spüren.

ein Zwischenbericht

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Mein letzter Bericht liegt nun einige Zeit zurück – natürlich ist in der Zwischenzeit wieder jede Menge passiert! Am vorletzten Samstag, also am 03.12., standen zwei Feiern auf dem Programm: zum Einen eine Hochzeit einer Cousine von Lorène und Elvis und zum Anderen eine Dot, zu der ich eingeladen worden war. Beginn der kirchlichen Trauung um 15 Uhr, Beginn der Dot um 16 Uhr. Also lautete der Plan folgendermaßen: Nach der kirchlichen Trauung geht’s für Lorène und mich weiter zur Dot, Médi, Alois und Elvis hingegen bleiben bei der Hochzeitsgesellschaft.
Ist schon für europäisches Timing ziemlich aussichtslos, wir wollten das Experiment in Burundi wagen. Dazu ist hinzuzufügen, dass Lorène, was die Pünktlichkeit betrifft, eine echte Afrikanerin ist ;) Wir hatten aber schon damit gerechnet, dass sich sowohl Dot als auch Hochzeit verspäten und wir somit doch noch jeweils pünktlich sind.
Das hat nicht geklappt – denn unsere 2-stündige Verspätung konnte keine der beiden Gesellschaften toppen. Denn pünktlich um 15 Uhr haben wir angefangen Mittag zu essen, danach wurde sich in Ruhe fertig gemacht und umgezogen, denn auch ich trug an diesem Tag traditionelle Kleidung. Also sind wir an der Kirche angekommen, als die zwei schon dabei waren, zu unterschreiben. 5 Minuten später war die Zeremonie zu Ende.
Also telefonierte ich schnell in die Welt, um herauszufinden, wo die Dot genau stattfindet – abgesehen vom Quartier hatte ich sonst keine Informationen. Das ging auch einigermaßen schnell – am Geräuschpegel auf der anderen Seite war aber zu erkennen, dass die Feier (inzwischen war es nach 17 Uhr) auch dort schon begonnen hatte. Blöd, da wir auf der Seite des Mädchens eingeladen waren. Und laut Tradition haben ihre Gäste da zu sein, bevor die Familie des Jungen mit den Gästen, die sich zunächst an einem anderen Ort sammeln, eintrifft. War aber letztendlich kein Drama, zumindest meinem Empfinden nach war unser verspätetes Ankommen wenig auffällig.
Im Vergleich zu uns ist auf jeden Fall zu sagen, dass der Aufwand ein unvorstellbarer ist. Allein für die Dot, so sagte man mir, war ein Komitee von ca. 30 Leuten zuständig. Vorbereitungszeit: ein Jahr. Dementsprechend beeindruckend war die Feier!

Am 03.12. war ebenfalls der journée mondiale du handicap, der internationale Tag der Menschen mit Behinderung.
Und da jetzt am 11.12. die 20 Jahr-Feier im Centre stattfand wurde sich ab Montag im Rahmen dieser besonderen Woche darauf eingestellt. Das bedeutete zunächst, dass der Unterricht komplett ausfiel und jeden Tag verschieden Aktivitäten stattfanden.
So war es am Montag zunächst um 10Uhr ein Goûter mit anschließender Repetition des Trommelns und der Tänze für die Feier. Nachmittags wuselte alles durchs Centre, um zu dekorieren. Der Dienstag stand ganz im Zeichen des Sports. Es wurde gelaufen, balanciert,… Da es an diesem Tag sehr warm war, wurde viele Spiele, die mit Wasser zu tun hatten, ins Programm aufgenommen. Unheimlich schön, die Kinder so ausgelassen spielen zu sehen. Denn selbst diejenigen, die nicht mitspielen konnten, haben mitgefiebert, gejubelt und sich einfach über den Tag gefreut. So war an diesen beiden Tagen eine absolut ausgelassene, fröhlich Stimmung, alle liefen mit einem strahlenden Lächeln durch die Gegend.
Am Mittwoch, meinem freien Tag, gings in die Stadt ein paar Sachen zu erledigen, zu denen die Zeit sonst nicht reicht. Als ich im Begriff war die Innenstadt zu verlassen, bin ich in die Personalausweiskontrolle geraten. Auf den Straßen standen schon LKW’s mit denjenigen, die keine Papiere dabei hatten. Also habe ich die Kopien meines Reisepasses vorgezeigt und bin weitergelaufen, lief alles sehr entspannt ab und diente letztendlich nur dazu, um meinen Namen zu erfahren.
Später gings zu Mex um Alexandre und Estella Hallo zu sagen, wir haben uns Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Mit den beiden bin ich dann nach Hause gefahren, da auch die 2 Kinder, die in Uganda zu Schule gehen, im Moment hier sind. So konnte ich die beiden kennenlernen und die anderen endlich wiedersehen. Wir haben einen wunderschönen Abend verbracht und uns für das nächste Wochenende verabredet.

Am Donnerstag fand im Centre ein Gottesdienst statt, bei dem zehn der kleinen Kinder getauft wurden. Allein deswegen also für alle ein ganz besonderer Tag. Nachmittags wurde das entspannte Wochenprogramm fortgesetzt. Ich habe mit den Kindern Blödsinn gequatscht und einfach Zeit verbracht weil für die Mitarbeiter wieder eine Fortbildung auf dem Programm stand. Gegen Abend fand eine letzte Réunion statt, um die letzten Details für die Feier zu besprechen.

Der Freitag stand ganz im Zeichen der Vorbereitung. Vormittags wurden für Personen 800 Teller und Besteck abgewaschen. Ansonsten wurde weiter dekoriert, die Zelte aufgebaut und Lebensmittel eingekauft.
So gings am Samstag richtig los. Von 10.00 bis um 22.00 Uhr wurde für die 800 erwarteten Personen das Essen vorbereitet. Also wurden unvorstellbaren Mengen geschnippelt, Maniokblätter gezupft, Auberginen, Paprika und Zwiebeln geschnippelt. Zupfen, dünsten, Blätter stampfen, Zupfen, dünsten, stampfen, Zupfen, dünsten, stampfen in der Endlosschleife.
Denn während der Feier sollte es Isombe, also die mit u.a. Auberginen zubereiteten Maniokblätter, Foufou, Fleisch und gebratene Kochbanen, die am Sonntag zubereitet wurden, geben.
Gut ausgepowert gings dann nach Hause, denn am Sonntag musste ja ab 10.00 Uhr wieder voller Einsatz gezeigt werden.

Die Feier fand am Sonntag bei schönstem Wetter und ohne weitere Zwischenfälle statt! Unglaublich, was das die vielfältigen Vorbereitungsteams letztendlich auf die Beine gestellt haben…

-Fortsetzung folgt-

1 1/2 Wochen Allerlei

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Seit gut 1 ½ Wochen gab es nun keinen Bericht mehr – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ich mehr als ausgelastet bin. Diverse Dinge beanspruchen oft mehr Zeit als einem eigentlich lieb ist und als die Nerven vertragen – willkommen im Leben ;) .
Im Centre habe ich die letzte Woche in der classe d’accueil erfolgreich beendet und mich dann, während des letzten, völlig vollgestopften aber wunderschönen Wochenende, auf meine Woche in der Klasse der Autisten gefreut, in der ich letztendlich aber nur Montag und Heute jeweils 2 Stunden verbracht habe. Denn ansonsten läuft im Centre alles stark auf die 20-Jahr-Feier zu. Und zusätzlich sind ja im Moment die 2 „Médecins sans vacances“ da! Das ist wunderbar, denn über die Gelegenheit, neue Dinge zu lernen, würde sich wahrscheinlich keiner beschweren. Trotzdem kommen so aber viele zeitbeanspruchende Dinge zusammen. Schlussfolgerung ist, dass die Nachmittage und vor allem die Mitarbeiter für die Fortbildung eingeplant sind. Somit kann nicht mehr, wie ursprünglich, am Nachmittag in kleinen Gruppen das Programm geprobt werden. Diese  Aktivitäten haben nun vormittags ihren Platz zwischen 10.30 Uhr und 12 Uhr. Nachmittags war ich für die Kinésitherapie eingeplant, da ja auch für die Therapeuten die Fortbildung stattfand. Das hat aber auch nur bedingt geklappt, da diverse Dinge Priorität hatten, die auch noch für die Feier erledigt sein wollen und ich somit den ein oder anderen Tag bastelnder Weise im Büro verbracht habe – sobald es möglich war mit Unterstützung von einigen Mädels.
Und zusätzlich gibt es immer wieder Besucher, die das Centre kennen lernen möchten – letzte Woche Dienstag war so ein Tag. Weder Soeur Agnès noch Jean-Claude waren im Centre, als 2 Amerikanerinnen eintrafen, um an ihrem letzten Tag in Burundi das Centre Akamuri zu sehen. Zunächst wusste keiner wer sie waren, woher sie kommen, was sie wollen und ob sie einen Termin mit Soeur Agnès oder Jean-Claude hatten. Ließ sich alles klären, nur hatten die beiden Glück – denn abgesehen von mir „spricht keiner Englisch“. Und Marcel, der sehr wohl Englisch spricht, hätte sich nicht zugemutet mit den beiden loszuziehen. Also wurde ich herbei gerufen und gebeten, den beiden das Centre zu zeigen.
Zum Einem voll ins kalte Wasser geschmissen weil auf einmal mein Englisch gefragt war und zum Anderen etwas überfordert, da ich ja selbst erst 3 Wochen da war und im Begriff bin, alles kennen zu lernen, bin ich also in Begleitung von Marcel mit den beiden losgezogen. Letztendlich hat das alles wunderbar geklappt, die Fragen sie sie hatten konnte ich gut beantworten – kam eben nur sehr überraschend.
Diese Situation dient aber stellvertretend als Beispiel: Denn viele Burunder haben Englisch gelernt. Da die wenigsten allerdings die Sprache praktizieren fehlt das Vertrauen, einfach loszureden. Für Marcel war die Situation aber wohl Schock genug – denn danach hat er mich gebeten, nur noch auf Englisch mit ihm zu sprechen. Haben wir auch ganz konsequent durchgezogen… :D
Damit ist er aber nicht der Einzige. Denn ich denke, dass gerade durch die East African Community das Interesse an der englischen Sprache wächst – und somit eben auch das Interesse, die Kenntnisse aufzufrischen. So kommt es immer wieder vor, dass die englische Sprache an machen Abenden phasenweise zum Kommunikationsmittel erhoben wird, wenn entdeckt wird, dass ich auch Englisch zu sprechen vermag.

Am Donnerstag bin ich mit Marcel und Else in einer der Antennen gewesen. Unglaublich, was da los war. Es war kaum ausreichend Platz, um mit den Kindern zu arbeiten.  Wir haben verschiedene Ideen besprochen um das Problem zu lösen – mal schauen, was draus wird. Denn letztendlich ist es an den Müttern, diese umzusetzen. Ich habe die beiden begleitet um zum Einen die Antenne kennen zu lernen und zum Anderen Fotos von den Kindern zu machen, die wiederum im Centre benötigt werden.

Übrigens: die Infektion ist nun auch wieder vorbei, die Medikamente haben sofort angeschlagen und ich bin wieder hergestellt. Allerdings laufe ich im Moment mit einer Erkältung durch die Gegend, denn hier geht die Grippe um. Somit bin ich also noch ungeschoren davon gekommen;).

Ansonsten kann ich guten Gewissens behaupten, dass sich im Centre langsam eine Art Alltag einstellt. Denn inzwischen haben die Kinder Vertrauen gefasst und krabbeln mir auf den Arm, wenn sie eine Streicheleinheit oder einfach eine gehörige Portion Aufmerksamkeit bedürfen. Gar nicht so leicht – denn wenn erst einer begonnen hat ist es schwierig, den Schlusspunkt zu finden. In der Klasse der Autisten wird viel übrigens viel gespielt  und gesungen bzw. von den nicht Sängern geklatscht und von den nicht-Klatschern zugehört und von den nicht-Zuhörern gestört ;) Das Spiel, das den Tag beginnt, ist ein Spiel das in 2 Gruppen gespielt wird. Die eine Gruppe ist in der Lage selbstständig zu spielen, die andere bekommt Unterstützung von den anwesenden Müttern. Das Spiel besteht darin, Gegenstände an den Nachbar weiter zu geben und diese somit bis zum letzten Kind durchzureichen, welches die Teile sammelt und anschließend wieder in die Gegenrichtung zurück gibt. Im Anschluss findet noch ein weiteres Spiel, wohl meistens ein Ballspiel, statt. Und im Anschluss wird gesungen – eben auch mit dem Ziel, die Kinder zum sprechen zu animieren.

Nun ja, dies als kurzen Abriss dessen, was sich so ereignet. Auf jeden Fall sind meine Tage im Moment unheimlich vielseitig! Heute Abend hatte ich kurz Gelegenheit mich mit Isaac zu treffen. Tut immer wieder gut und war wunderbar um über gewisse Dinge, die hier vor sich gehen, auch kurz mit ihm zu reden.

Ansonsten nochmal vielen Dank für die lieben E-Mails! Kaum vorstellbar, dass die Adventszeit begonnen hat. Aber Danke Mama, dass du sie mir so nahe wie möglich bringst ;)

P.S.: Ich wollte nun endlich neue Fotos hochladen – daraus wird heute aber nichts, die Internetverbindung ist zu schwach und ich somit erfolglos…

Ein kurzes Update

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So, nun ist meine merkwürdige Erkrankung geklärt. Issac, der gestern aus dem Landesinneren gekommen ist und sich dort auch einen Ausschlag am Hals eingehandelt hat, ist gestern Abend noch mit Jaqueline vorbei gekommen. Da Isaac heute schon wieder ins Landesinnere aufgebrochen ist und mich so zu seinem Bedauern nicht zum Arzt begleiten konnte, haben die beiden mich zum Dermatologen ihres Vertrauens geschickt. Einmal bei mir gelandet sind die beiden gerne geblieben, um noch etwas Zeit mit mir zu verbringen. Da war ein genialer Abend vorprogrammiert! Es ist einfach unglaublich, wie geschickt sich Issac in bestimmten Themen ausdrücken und wie viel unbedachten Blödsinn man auf der anderen Seite mit ihm reden kann. Auf jeden Fall war es schön, die beiden nach 2 Wochen nun wiederzusehen.

Bei dem Dermatologen bin ich heute mit Lorène aufgekreuzt.
Dort wurde mir eine Infektion durch Staphylokokken bzw. Streptokokken diagnostiziert. Würde mit meinem momentanen Erscheinungsbild und auch mit meiner Erkältung mit leichten Ohrenschmerzen zusammenpassen, die hatte ich bis zuletzt dem ständigen Wetterwechsel zugeschrieben. Also nehme ich jetzt brav meine Medikamente und tupfe und creme. In 6 Tagen soll der Spaß dann vorbei sein – wenn nicht, bittet Onkel Doktor um einen Anruf.

Ansonsten habe ich heute meinen ersten Vormittag in der classe d’accueil verbracht. Dort sind ca. 7 Kinder anwesend. Der Nachmittag ging ja für den Arztbesuch flöten.
Auf jeden Fall ist die Stimmung in der Klasse sehr entspannt! Bis um ca. 10.00 Uhr fand der Unterricht statt, in dem jedes Kind zunächst einzeln (auf Französisch) begrüßt wurde. Dann haben verschiedene Früchte die Runde gemacht, deren Name auf Kirundi wiederholt werden sollte – die Lehrerin ging mit sehr viel Geduld und Ruhe an diese Aufgabe! Dennoch war sie für viele nicht zu bewältigen, da sie kaum sprechen, wohl aber verstehen können. So bestätigten sie den richtigen Namen der Frucht mit „Ja“ oder einem Kopfnicken. Danach ging es ans Zähneputzen. Jedem einzelnen Kind haben wir dabei geholfen und versucht, es zum selbstständigen Putzen zu animieren – was in einigen Fällen schon gut klappt!
Nach der Pause, d.h. ab ca. 10.20 Uhr bis 12.00 Uhr, wurde gespielt. Vergleichbar war dies mit dem Spielen in der Ergotherapie – denn die Kinder aus der classe d’accueil verbringen dort ja auch ihre Nachmittage und haben benötigen so noch Unterstützung. D.h. auch in der classe d’accueil wird geübt, Gegenstände zu greifen, Lego-Kötze ineinander zu stecken,… Ein selbstständiges Spiel findet kaum statt, die Kinder müssen noch dazu animiert werden – abgesehen von drei Kindern. Eins der Drei spielt allerdings auf seine eigene Art und Weise-denn erst wenn die Gegenstände durch den Raum fliegen ist es zufrieden.
Eine absolute Nervenarbeit ihn davon abzubringen und sich gleichzeitig um die Anderen zu kümmern! Da wir zu viert waren (die Lehrerin, eine Mutter, ein älteres Heimkind und ich), war das aber gut machbar!
Mal schauen, was die nächsten Tage bereithalten! ;)

Schritt für Schritt

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Martine und Kathrin sind heute abgereist, bereits in einer Woche werden aber die nächsten 2 “Médecins sans Vacances” hier in Burundi eintreffen, um ca. 2 Wochen im Centre zu arbeiten. Auch meine 2 wunderbaren Wochen in der Kinesiotherapie sind nun vorbei – ab Montag geht’s für eine Woche in die erste Klasse! Denn gemeinsam mit der Leiterin des Centre habe ich einen Plan entworfen der vorsieht, dass ich bis zu den Weihnachtsferien alle Bereiche kennengelernt habe. Ab Januar soll ich meinen festen Platz im Centre gefunden haben. Nachmittags werde ich aber weiterhin in der Kinesiotherapie sein. Zum Einen findet der Unterricht nur vormittags statt. Nachmittags finden für die Größeren verschiedenen Aktivitäten auf dem Gelände statt – sei es Sport, Gartenarbeit,… Zum Anderen sind die Kinder, die die classe d’accueil besuchen, nachmittags in der Kinesiotherapie, damit sie dort weitere Fähigkeiten schulen. Unabhängig davon werde ich aber auch in den Folgewochen die Nachmittage in der Kinesiotherapie verbringen. Denn vormittags kommen die Kinder von außerhalb mit ihren Müttern, die die entsprechenden Übungen mit ihren Kindern 3x pro Woche im Centre durchführen.
Gerade nachmittags gibt es aber jede Menge zu tun. Denn dann sind hauptsächlich die Kinder aus dem Centre anwesend –die morgendliche eins zu eins Betreuung ist also aufgehoben ;) .
Ab sofort werde ich übrigens jeden Mittwoch frei haben, dies gilt generell für die „Langzeitpraktikanten“ die im Centre arbeiten.

Am Freitag haben sich erste Anzeichen für eine positive Entwicklung der langwierigeren Arbeit gezeigt! Denn ein Mädchen, das nachmittags in der Kinesiotherapie ist, liebt es zu puzzeln. Wenn das Puzzleteil aber nicht richtig herum (Kopf oben) auf dem Holzbrettchen liegt hat sie es nicht geschafft, das Problem zu erkennen und zu beheben. Also habe ich mit ihr geübt, geübt und geübt – und tatsächlich! Statt wie gewohnt meinen Arm anzuticken (sie kann nicht sprechen, aber ganz normal hören), damit das Puzzleteil in die richtige Position gebracht wird, hat sie es am Freitag von Zeit zu Zeit tastender Weise allein geschafft! Und das ist in Anbetracht des motorischen Zustands, in dem sich ihre Hand befindet, ein großer Erfolg! Ich hoffe, dass es sich nicht um Zufälle handelte – die nächste(n) Woche(n) wird/werden es zeigen!
Auch der kleine Paul, der wenig von seiner Außenwelt wahrnimmt und auch kein Interesse an ihr zeigt -er ist Autist- macht Fortschritte. Denn er kann den ganzen Vormittag mit Begleitung und Hilfe eines Gehwagens durch die Gegend wandern. Dabei achtet er aber nicht darauf, wohin es geht. Er ist glücklich, wenn er sich über den Wagen lehnen und einen Fuß vor den anderen setzten kann. Ohne Stütze kann er aber noch nicht laufen. Und doch sind auch hier erste leise Fortschritte zu bemerken! Denn wenn man ein paar Meter läuft und ihm dabei nur die Hand zur Hilfe gibt, wurde das Gewicht, das daran hängt, etwas weniger.
Um mit den Kleinen gewisse Dinge zu lernen sind zwei Dinge unabkömmlich: Zeit und Geduld. Da die Zeit für die ausgebildeten Therapeuten aber ein knappes Gut ist, nutze ich meine Anwesenheit in der Kinesiotherapie also so gut es geht.
Fortschritte werden im Schneckentempo erzielt. Dafür nimmt man aber auch die kleinsten Regungen einer Hand, einen einzigen selbstständigen Schritt,… ganz anders wahr. Denn all dies zeigt: egal wie lange es dauert, es lohnt sich! Und vllt. wird das entsprechende Kind wie gehofft eines Tages einen Löffel halten, aufrecht sitzen oder selbstständig laufen können – außer Frage steht, dass es an derartigen Einrichtungen in Burundi nach wie vor mangelt.

Bubanza und eine ungeplante Auszeit

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Gestern bin ich mit Martine und Kathrin, den beiden Belgierinnen, nach Bubanza gefahren. Dort befindet sich eine „Zweigstelle“ des Centre Akamuri, die vor nicht allzu langer Zeit entstanden ist. Sie besteht aus 2 Klassen und der Ergotherapie, es ist also eine wesentlich kleinere Einrichtung.
Die Kinder dort sind wesentlich selbstständiger als im Centre. Vormittags, während Martine und Kathrin das mitgebrachte Material den Mitarbeitern des Centres erklärten, habe ich die Aufsicht über die Jungs und Mädels übernommen, damit sie nicht zwischen den Anderen herumwuseln.
Die Arbeit mit ihnen gestaltete sich als wesentlich einfacher als im Centre. Denn obwohl es ca. 15 Kinder waren, war es möglich, mit ihnen zu malen und zu spielen, auch wenn Einige dabei natürlich mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit benötigten als Andere.
Denn diejenigen, die den Stift nicht allein halten konnten, genossen es offensichtlich, dass ich ihre Hand mit dem Stift führte. Die Größeren hingegen waren stolz, ganz alleine Malen zu können – und forderten natürlich auf ihre Weise die nötige Anerkennung. Leben in die Bude kam, als ich begann, mit den selbstständigeren Kindern Klatschspiele zu erlernen. Das forderte natürlich auch Geduld und Zeit – zur Pause hin konnten sie aber vorgeführt werden.
Den Ehrgeiz in den Kindern zu wecken, sie zum Spielen zu animieren und so Schritt für Schritt gemeinsam etwas zu erlernen war im Centre bisher noch nicht möglich gewesen. Allerdings werde ich auch erst ab Montag die Klassen kennenlernen. Dort sind die Kinder untergebracht, die zum Einen etwas älter und zum Anderen natürlich auch selbstständiger als die Kinder in der Ergotherapie sind.
Trotzdem habe ich in Bubanza so aber eine neue Erfahrung machen können!
Den Kindern ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern war aber auch Bubanza mit dem einfachsten Mittel möglich. Dies lautet schlicht und einfach: Zeit miteinander verbringen.

Trotz des wunderschönen Tages war ich froh, als ich  abends zu Hause ankam. Denn Sonntag haben sich zwei Mücken(?)stiche am Fuß entzündet. Und blöderweise hat mich ein Vieh dort erwischt, wo der Schmerz im Bein hochziehen und so das Laufen so zu einer verdammt schmerzhaften Angelegenheit machen konnte. Mit den Medikamenten, die ich hier hatte und die ich aus dem Centre mitgenommen habe, habe ich mich so über die Nacht gebracht. Heute Morgen war es dennoch nicht möglich, mich auf den Weg ins Centre zu machen. Also habe ich dort Bescheid gegeben und dann neue Medikamente in der Apotheke besorgt, was mir tatsächlich in Apotheke Nummer 5 gelang.
Dabei habe ich es strikt vermieden, jemandem aus meiner hiesigen „Familie“ :) Bescheid zu sagen. Denn sowohl gestern Abend im Centre als auch heute Morgen hier im Hotel konnte ich den Transport ins Krankenhaus und einen Anruf bei Alexandre mit ach und krach verhindern, denn das wäre völlig übertrieben gewesen. Vielen lieben Dank an dieser Stelle an dich Sabine – dank deiner Hustensaft-Anekdote ist mir einiges erspart geblieben ;) !!!!
Auf jeden Fall sind die Wunden um ein weiteres Mal versorgt und der Fuß ruhig gestellt. Und so ließen auch die Schmerzen seit heute Morgen kontinuierlich nach. Morgen kann ich also wieder durchstarten!
Ein weiteres Positives hat dieses kleine Knockout ebenfalls: denn seit Anfang November ist heute der erste Tag an dem ich tatsächlich nichts mache, weil ich nichts machen kann.
So bin ich zu einem Ruhetag verdonnert der mir die Möglichkeit bietet das, was ich täglich erlebe und tue, Revue-passieren zu lassen. Und daraus ergeben sich weitere Erkenntnisse (auch über mich!), die nicht ausschließlich positiv sind. Aber gerade deswegen unheimlich wichtig.

Märchenstunde in Gitega

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Wie schon berichtet ging es heute Morgen in aller früh um 06:00 Uhr nach Gitega, um den Straßensperren auf Grund der “travaux communautaires” zu entgehen, die am Vormittag im ganzen Land stattfinden sollen. Falsch gedacht, denn die Posten waren schon bezogen. Also wurde an jeder Sperre erklärt, dass die „Médecins Sans Vacances“ unterwegs sind. Ohne Probleme konnten wir so die Stadt verlassen – und mit uns die, die an der Sperre gewartet haben und das Gaspedal durchgetreten haben, um noch mit durch zu kommen.
Durch strömenden Regen ging es also gen Gitega. Dort angekommen wurden wir herzlich empfangen und nachdem wir einige Zeit mit den Kindern verbracht haben, die im Hof zu lauter Musik tanzten, wurde uns das Centre gezeigt. Der Unterschied zum Centre Akamuri wurde nur allzu deutlich! das Centre ist eine riesige Einrichtung im Herzen Burundis, die sehr modern und mit jeder Menge Technik ausgestattet ist. Jedes Kind hat in den verschiedenen Schlafzimmern sein eigenes Bett mit Moskitonetz, in jedem Esssaal gibt es mindestens eine riesige Anlage, die den Raum beschallt. Hinter dem Centre wird ein riesiger Gebäudekomplex errichtet, in dem die „Brüder“, die im Centre arbeiten, wohnen werden – inklusive einem eigenen Küchenkomplex… Es wird auch wird ein Gästehaus errichtet, in dem Besucher nächtigen sollen. Und ich soll die erste sein. Denn es wird fest damit gerechnet, dass ich auch dort einige Zeit verbringe, um zu helfen. Die Motivation meinerseits wurde aber von Gebäude zu Gebäude geringer und verschwand letztendlich. Neben persönlichen Gründen ein weiteres großes Problem: abgesehen vom Leiter des Heims und einer Mitarbeiterin sprechen alle nur Kirundi. Da ist es doch einigermaßen ausweglos, effizient zu arbeiten und neue Ideen zu vermitteln. Gerade mit dem erlebten im Hinterkopf weiß ich nicht, ob man, wenn man tatsächlich vor Ort ist, eigene Ideen durchsetzten kann oder ob man nur als Funktionär mit gewissen Aufgaben betraut wird. Letzteres war eher mein Eindruck, so wurde mir vorgeschlagen, dass ich mich doch damit befassen könnte ein kleines Becken zu bauen, um die Therapiemöglichkeiten auszubauen. Ich ein Schwimmbecken bauen – die Fachkenntnisse für solche Aktionen sind sicher nicht in mir verankert. Interessant wäre es allerdings, ob die nötigen Investitionen dann getätigt werden könnten. Denn mehr als zu sagen, dass ein Schwimmbecken gebaut werden soll, kann ich nicht.
Es wurde auch die Gesamtsituation geschildert, die aber mit der gesehenen Realität schwer überein zu bringen war. U.a. wurden viele Tätigkeiten und Ateliers, die Angeboten werden sollten, als äußerst erfolgreich beschrieben – blöd nur, dass uns zwei Brüder durch das Heim führten und so zu viele Widersprüche auftraten, um das nun wirklich glauben zu können. Uns brannte die Frage auf den Lippen, ob diverse Neuerungen, die den Kindern zu Gute kommen würden, wirklich nicht durchzuführen seien? Wir haben versucht, den Vergleich zum Centre Akamuri deutlich zu machen – keine Chance! Mit einem dicken Hals wäre ich am liebsten wieder ins Auto gestiegen und zurück gefahren. Die Unfähigkeit, Informationen und Ideen anzunehmen ohne sie widerlegen zu wollen hat mich sehr geärgert. Denn der Bruder, der die Ergotherapie/Kinesiotherapie leitet, kennt das Centre Akamuri eigentlich sehr gut. Trotzdem behauptete er felsenfest, dass u.a. die finanziellen Möglichkeiten im Centre Akamuri wesentlich besser seien. Die Löhne in Bujumbura liegen jedoch unter dem, was in Gitega verdient wird. Und glücklicherweise steht hier in Bujumbura das Kind an erster Stelle, wenn es um finanzielle Belange geht.
Es mag sein, dass meine Darstellung etwas verzogen ist, schließlich reichen die paar Stunden nicht aus, um wirklich alles zu durchblicken und zu durchschauen, was nun tatsächlich Fakt ist. Sicher ist: soziale Einrichtungen haben hier in Burundi noch mit weitaus mehr Problemen zu kämpfen als bei uns.
Unterbrochen wurde die Diskussion, die geführt wurde, durch die Ankunft des Ex-Präsidenten Burundis, der ebenfalls gekommen war, um das Heim zu besichtigen. Gemeinsam wurde anschließend gegessen, bevor wir uns mit gemischten Gefühlen auf den Heimweg machten.
Mit etwas Verspätung, da wir zwei Mal zwecks Reifenwechsel anhalten mussten, sind wir letztendlich doch angekommen. Nach Bujumbura haben wir eine Mutter mit ihrem Kind mitgenommen, die einen Monat im Heim verbringen konnte. Aus Platzmangel werden neben den im Heim lebenden 75 Kindern nämlich monatsweise weitere Kinder untergebracht. Auf dem Rückweg konnten wir mit der netten Notlüge, zu „handicap international“ zu gehören, ohne weitere Probleme durchfahren. Denn unser Fahrer war so ordentlich, dass er tatsächlich an jeder Stelle hielt, an der ihn Polizisten raus winkten. Die Anderen sind durchgerauscht und hatten somit auch keine Probleme.

Durch viele nette Zufälle kommt Nina gleich vorbei um mich abzuholen. Wunderbar, auch sie nun kennenzulernen! Nur leider wieder keine Zeit, um die E-Mails zu beantworten…

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