Wie schon berichtet ging es heute Morgen in aller früh um 06:00 Uhr nach Gitega, um den Straßensperren auf Grund der “travaux communautaires” zu entgehen, die am Vormittag im ganzen Land stattfinden sollen. Falsch gedacht, denn die Posten waren schon bezogen. Also wurde an jeder Sperre erklärt, dass die „Médecins Sans Vacances“ unterwegs sind. Ohne Probleme konnten wir so die Stadt verlassen – und mit uns die, die an der Sperre gewartet haben und das Gaspedal durchgetreten haben, um noch mit durch zu kommen.
Durch strömenden Regen ging es also gen Gitega. Dort angekommen wurden wir herzlich empfangen und nachdem wir einige Zeit mit den Kindern verbracht haben, die im Hof zu lauter Musik tanzten, wurde uns das Centre gezeigt. Der Unterschied zum Centre Akamuri wurde nur allzu deutlich! das Centre ist eine riesige Einrichtung im Herzen Burundis, die sehr modern und mit jeder Menge Technik ausgestattet ist. Jedes Kind hat in den verschiedenen Schlafzimmern sein eigenes Bett mit Moskitonetz, in jedem Esssaal gibt es mindestens eine riesige Anlage, die den Raum beschallt. Hinter dem Centre wird ein riesiger Gebäudekomplex errichtet, in dem die „Brüder“, die im Centre arbeiten, wohnen werden – inklusive einem eigenen Küchenkomplex… Es wird auch wird ein Gästehaus errichtet, in dem Besucher nächtigen sollen. Und ich soll die erste sein. Denn es wird fest damit gerechnet, dass ich auch dort einige Zeit verbringe, um zu helfen. Die Motivation meinerseits wurde aber von Gebäude zu Gebäude geringer und verschwand letztendlich. Neben persönlichen Gründen ein weiteres großes Problem: abgesehen vom Leiter des Heims und einer Mitarbeiterin sprechen alle nur Kirundi. Da ist es doch einigermaßen ausweglos, effizient zu arbeiten und neue Ideen zu vermitteln. Gerade mit dem erlebten im Hinterkopf weiß ich nicht, ob man, wenn man tatsächlich vor Ort ist, eigene Ideen durchsetzten kann oder ob man nur als Funktionär mit gewissen Aufgaben betraut wird. Letzteres war eher mein Eindruck, so wurde mir vorgeschlagen, dass ich mich doch damit befassen könnte ein kleines Becken zu bauen, um die Therapiemöglichkeiten auszubauen. Ich ein Schwimmbecken bauen – die Fachkenntnisse für solche Aktionen sind sicher nicht in mir verankert. Interessant wäre es allerdings, ob die nötigen Investitionen dann getätigt werden könnten. Denn mehr als zu sagen, dass ein Schwimmbecken gebaut werden soll, kann ich nicht.
Es wurde auch die Gesamtsituation geschildert, die aber mit der gesehenen Realität schwer überein zu bringen war. U.a. wurden viele Tätigkeiten und Ateliers, die Angeboten werden sollten, als äußerst erfolgreich beschrieben – blöd nur, dass uns zwei Brüder durch das Heim führten und so zu viele Widersprüche auftraten, um das nun wirklich glauben zu können. Uns brannte die Frage auf den Lippen, ob diverse Neuerungen, die den Kindern zu Gute kommen würden, wirklich nicht durchzuführen seien? Wir haben versucht, den Vergleich zum Centre Akamuri deutlich zu machen – keine Chance! Mit einem dicken Hals wäre ich am liebsten wieder ins Auto gestiegen und zurück gefahren. Die Unfähigkeit, Informationen und Ideen anzunehmen ohne sie widerlegen zu wollen hat mich sehr geärgert. Denn der Bruder, der die Ergotherapie/Kinesiotherapie leitet, kennt das Centre Akamuri eigentlich sehr gut. Trotzdem behauptete er felsenfest, dass u.a. die finanziellen Möglichkeiten im Centre Akamuri wesentlich besser seien. Die Löhne in Bujumbura liegen jedoch unter dem, was in Gitega verdient wird. Und glücklicherweise steht hier in Bujumbura das Kind an erster Stelle, wenn es um finanzielle Belange geht.
Es mag sein, dass meine Darstellung etwas verzogen ist, schließlich reichen die paar Stunden nicht aus, um wirklich alles zu durchblicken und zu durchschauen, was nun tatsächlich Fakt ist. Sicher ist: soziale Einrichtungen haben hier in Burundi noch mit weitaus mehr Problemen zu kämpfen als bei uns.
Unterbrochen wurde die Diskussion, die geführt wurde, durch die Ankunft des Ex-Präsidenten Burundis, der ebenfalls gekommen war, um das Heim zu besichtigen. Gemeinsam wurde anschließend gegessen, bevor wir uns mit gemischten Gefühlen auf den Heimweg machten.
Mit etwas Verspätung, da wir zwei Mal zwecks Reifenwechsel anhalten mussten, sind wir letztendlich doch angekommen. Nach Bujumbura haben wir eine Mutter mit ihrem Kind mitgenommen, die einen Monat im Heim verbringen konnte. Aus Platzmangel werden neben den im Heim lebenden 75 Kindern nämlich monatsweise weitere Kinder untergebracht. Auf dem Rückweg konnten wir mit der netten Notlüge, zu „handicap international“ zu gehören, ohne weitere Probleme durchfahren. Denn unser Fahrer war so ordentlich, dass er tatsächlich an jeder Stelle hielt, an der ihn Polizisten raus winkten. Die Anderen sind durchgerauscht und hatten somit auch keine Probleme.

Durch viele nette Zufälle kommt Nina gleich vorbei um mich abzuholen. Wunderbar, auch sie nun kennenzulernen! Nur leider wieder keine Zeit, um die E-Mails zu beantworten…