Seit gut 1 ½ Wochen gab es nun keinen Bericht mehr – ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ich mehr als ausgelastet bin. Diverse Dinge beanspruchen oft mehr Zeit als einem eigentlich lieb ist und als die Nerven vertragen – willkommen im Leben ;) .
Im Centre habe ich die letzte Woche in der classe d’accueil erfolgreich beendet und mich dann, während des letzten, völlig vollgestopften aber wunderschönen Wochenende, auf meine Woche in der Klasse der Autisten gefreut, in der ich letztendlich aber nur Montag und Heute jeweils 2 Stunden verbracht habe. Denn ansonsten läuft im Centre alles stark auf die 20-Jahr-Feier zu. Und zusätzlich sind ja im Moment die 2 „Médecins sans vacances“ da! Das ist wunderbar, denn über die Gelegenheit, neue Dinge zu lernen, würde sich wahrscheinlich keiner beschweren. Trotzdem kommen so aber viele zeitbeanspruchende Dinge zusammen. Schlussfolgerung ist, dass die Nachmittage und vor allem die Mitarbeiter für die Fortbildung eingeplant sind. Somit kann nicht mehr, wie ursprünglich, am Nachmittag in kleinen Gruppen das Programm geprobt werden. Diese Aktivitäten haben nun vormittags ihren Platz zwischen 10.30 Uhr und 12 Uhr. Nachmittags war ich für die Kinésitherapie eingeplant, da ja auch für die Therapeuten die Fortbildung stattfand. Das hat aber auch nur bedingt geklappt, da diverse Dinge Priorität hatten, die auch noch für die Feier erledigt sein wollen und ich somit den ein oder anderen Tag bastelnder Weise im Büro verbracht habe – sobald es möglich war mit Unterstützung von einigen Mädels.
Und zusätzlich gibt es immer wieder Besucher, die das Centre kennen lernen möchten – letzte Woche Dienstag war so ein Tag. Weder Soeur Agnès noch Jean-Claude waren im Centre, als 2 Amerikanerinnen eintrafen, um an ihrem letzten Tag in Burundi das Centre Akamuri zu sehen. Zunächst wusste keiner wer sie waren, woher sie kommen, was sie wollen und ob sie einen Termin mit Soeur Agnès oder Jean-Claude hatten. Ließ sich alles klären, nur hatten die beiden Glück – denn abgesehen von mir „spricht keiner Englisch“. Und Marcel, der sehr wohl Englisch spricht, hätte sich nicht zugemutet mit den beiden loszuziehen. Also wurde ich herbei gerufen und gebeten, den beiden das Centre zu zeigen.
Zum Einem voll ins kalte Wasser geschmissen weil auf einmal mein Englisch gefragt war und zum Anderen etwas überfordert, da ich ja selbst erst 3 Wochen da war und im Begriff bin, alles kennen zu lernen, bin ich also in Begleitung von Marcel mit den beiden losgezogen. Letztendlich hat das alles wunderbar geklappt, die Fragen sie sie hatten konnte ich gut beantworten – kam eben nur sehr überraschend.
Diese Situation dient aber stellvertretend als Beispiel: Denn viele Burunder haben Englisch gelernt. Da die wenigsten allerdings die Sprache praktizieren fehlt das Vertrauen, einfach loszureden. Für Marcel war die Situation aber wohl Schock genug – denn danach hat er mich gebeten, nur noch auf Englisch mit ihm zu sprechen. Haben wir auch ganz konsequent durchgezogen… :D
Damit ist er aber nicht der Einzige. Denn ich denke, dass gerade durch die East African Community das Interesse an der englischen Sprache wächst – und somit eben auch das Interesse, die Kenntnisse aufzufrischen. So kommt es immer wieder vor, dass die englische Sprache an machen Abenden phasenweise zum Kommunikationsmittel erhoben wird, wenn entdeckt wird, dass ich auch Englisch zu sprechen vermag.
Am Donnerstag bin ich mit Marcel und Else in einer der Antennen gewesen. Unglaublich, was da los war. Es war kaum ausreichend Platz, um mit den Kindern zu arbeiten. Wir haben verschiedene Ideen besprochen um das Problem zu lösen – mal schauen, was draus wird. Denn letztendlich ist es an den Müttern, diese umzusetzen. Ich habe die beiden begleitet um zum Einen die Antenne kennen zu lernen und zum Anderen Fotos von den Kindern zu machen, die wiederum im Centre benötigt werden.
Übrigens: die Infektion ist nun auch wieder vorbei, die Medikamente haben sofort angeschlagen und ich bin wieder hergestellt. Allerdings laufe ich im Moment mit einer Erkältung durch die Gegend, denn hier geht die Grippe um. Somit bin ich also noch ungeschoren davon gekommen;).
Ansonsten kann ich guten Gewissens behaupten, dass sich im Centre langsam eine Art Alltag einstellt. Denn inzwischen haben die Kinder Vertrauen gefasst und krabbeln mir auf den Arm, wenn sie eine Streicheleinheit oder einfach eine gehörige Portion Aufmerksamkeit bedürfen. Gar nicht so leicht – denn wenn erst einer begonnen hat ist es schwierig, den Schlusspunkt zu finden. In der Klasse der Autisten wird viel übrigens viel gespielt und gesungen bzw. von den nicht Sängern geklatscht und von den nicht-Klatschern zugehört und von den nicht-Zuhörern gestört ;) Das Spiel, das den Tag beginnt, ist ein Spiel das in 2 Gruppen gespielt wird. Die eine Gruppe ist in der Lage selbstständig zu spielen, die andere bekommt Unterstützung von den anwesenden Müttern. Das Spiel besteht darin, Gegenstände an den Nachbar weiter zu geben und diese somit bis zum letzten Kind durchzureichen, welches die Teile sammelt und anschließend wieder in die Gegenrichtung zurück gibt. Im Anschluss findet noch ein weiteres Spiel, wohl meistens ein Ballspiel, statt. Und im Anschluss wird gesungen – eben auch mit dem Ziel, die Kinder zum sprechen zu animieren.
Nun ja, dies als kurzen Abriss dessen, was sich so ereignet. Auf jeden Fall sind meine Tage im Moment unheimlich vielseitig! Heute Abend hatte ich kurz Gelegenheit mich mit Isaac zu treffen. Tut immer wieder gut und war wunderbar um über gewisse Dinge, die hier vor sich gehen, auch kurz mit ihm zu reden.
Ansonsten nochmal vielen Dank für die lieben E-Mails! Kaum vorstellbar, dass die Adventszeit begonnen hat. Aber Danke Mama, dass du sie mir so nahe wie möglich bringst ;)
P.S.: Ich wollte nun endlich neue Fotos hochladen – daraus wird heute aber nichts, die Internetverbindung ist zu schwach und ich somit erfolglos…
Dez 11, 2011 @ 23:41:28
:D :D Adventszeit. Was ein Stichwort. Mir ist sie auch noch nicht so ganz nah diesen Dezember… Und das Trotz des von Mama zugeschickten Adventskalenders!!!
Daggi!!! Schön, einmal wieder upgedatet worden zu sein…
Aber was meinst du mit den Antennen!?!? Das Rätsel vermag ich leider nichtt zu lösen :(
Liebe.
Jule
Dez 13, 2011 @ 19:59:38
Jule :)
Mit Antennen meine ich die anderen Häuser, die an das Centre angeschlossen sind – und u.a. in anderen Quartiers liegen. Es handelt sich also um die Antennen des Centre Akamuri ;) .
Liebe!